Es ist der Klassiker im Januar oder direkt nach einer Knie-OP: Du bist motiviert, du musst dich bewegen, aber du willst dir (noch) keinen großen „Klops“ ins Wohnzimmer stellen, der später vielleicht nur als teurer Kleiderständer endet. Die scheinbar geniale Lösung liegt auf der Hand: Einfach einen Ergometer mieten.
Für 30 oder 40 Euro im Monat ein Profi-Gerät zu Hause haben – das klingt auf den ersten Blick nach einem fairen Deal und maximaler Flexibilität. Doch der Schein trügt oft gewaltig. Was als günstige Alternative beginnt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen häufig als Kostenfalle, bei der du am Ende draufzahlst, ohne etwas zu besitzen.

In diesem Ratgeber rechnen wir gnadenlos ehrlich nach. Wir zeigen dir, wo die versteckten Kosten bei Mietgeräten lauern, klären den Mythos „Ergometer auf Rezept“ auf und verraten dir, warum der Kauf eines eigenen Geräts – selbst für kurze Zeiträume – fast immer die klügere finanzielle Entscheidung ist.
Tipp: In unserem großen Ergometer und Heimtrainer Test zeigen wir dir, welche Modelle als dauerhafte Investition wirklich überzeugen
Wo kann man ein Ergometer leihen? Die Anbieter im Check
Bevor wir über Preise sprechen, müssen wir klären: Kann man ein Ergometer leihen und wenn ja, wo überhaupt? Der Markt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Früher war der Weg zum lokalen Händler der einzige, heute dominieren Online-Startups. Hier sind die drei gängigsten Anlaufstellen im Vergleich.

Tipp: Falls du nur ein kurzes Reha-Training planst, schau dir auch an, ob du ein hochwertiges Ergometer gebraucht kaufen kannst – oft ist das günstiger als Miete.
Das Sanitätshaus (Der Klassiker)
Wenn es um medizinische Rehabilitation geht, ist das Sanitätshaus vor Ort oft der erste Gedanke.
- Das Angebot: Hier findest du meist sehr solide, aber oft optisch altbackene Geräte (z.B. ältere Kettler-Modelle). Es sind fast immer medizinisch geeichte Ergometer (Klasse HA). Erfahre hier mehr über den technischen Unterschied zwischen Ergometer und Heimtrainer und deren Zulassung.
- Der Haken: Sanitätshäuser haben oft nur begrenzte Lagerbestände. Zudem sind die Mietpreise hier oft sehr hoch, da der logistische Aufwand für das Haus (Lieferung mit eigenem Personal) enorm ist.
- Verfügbarkeit: Stark lokal begrenzt.
Online-Verleiher & Tech-Startups
Anbieter wie Grover, Miet-Fit oder Fitnessgeräte-Miete.de haben den Markt revolutioniert.
- Das Angebot: Hier bekommst du oft moderne Geräte mit App-Anbindung, schickem Design und Bluetooth.
- Der Prozess: Alles läuft digital. Du klickst dich durch, wählst eine Laufzeit und das Gerät kommt per Spedition.
- Der Haken: Diese Flexibilität lassen sich die Anbieter fürstlich bezahlen. Je kürzer die Laufzeit, desto astronomischer die Monatsrate.
Fitnessstudios (Der Mythos)
Viele Mitglieder fragen in ihrem Studio: „Kann ich mir für die Reha-Zeit ein Bike ausleihen?“
- Die Realität: Nein. Fitnessstudios vermieten ihr Equipment fast nie an Privatpersonen. Die Geräte sind für den Dauerbetrieb im Studio versichert und geleast. Wenn sie das Haus verlassen, erlischt oft der Versicherungsschutz. Zudem fehlen dem Studio die Geräte dann im laufenden Betrieb. Dieser Weg ist fast immer eine Sackgasse.
Die Kostenfalle: Warum einen Heimtrainer zu mieten teurer ist als gedacht
Kommen wir zum Kern des Problems. Warum raten wir oft davon ab, einen Heimtrainer zu mieten? Das Problem ist nicht die monatliche Rate allein, sondern die Summe der Nebenkosten, die im Kleingedruckten stehen.
Viele lassen sich von einem Angebot wie „Ab 29,90 € pro Monat“ blenden. Doch die Endabrechnung sieht ganz anders aus. Es gibt drei Kostentreiber, die du kennen musst.

Tipp: Für das Budget einer 9-Monats-Miete bekommst du bereits erstklassige Heimtrainer bis 500 Euro im Test, die in dein Eigentum übergehen
Kostentreiber 1 Die Mindestlaufzeit
Die günstigen Lock-Preise gelten fast immer nur bei Laufzeiten von 12 Monaten oder mehr.
- Wer sich nur für 3 Monate binden will (typische Reha-Dauer nach Kreuzbandriss), zahlt oft den doppelten Monatspreis. Aus 29 € werden dann schnell 69 € pro Monat.
Kostentreiber 2Die Grundgebühr & Kaution
Einige Anbieter verlangen eine einmalige Bereitstellungsgebühr oder „Servicepauschale“ für die Desinfektion und Prüfung des Geräts. Dazu kommt oft eine Kaution von 100 bis 200 Euro, die dein Konto während der Mietdauer belastet.
Kostentreiber 3Der Versand (Der wahre Killer)
Das ist der Punkt, den die meisten vergessen. Ein Ergometer ist kein Buch, das man als Päckchen verschickt. Es ist Speditionsware.
- Hinweg: Die Anlieferung kostet oft zwischen 40 € und 80 €.
- Rückweg: Die Abholung muss ebenfalls bezahlt werden. Noch mal 40 € bis 80 €.

Beispielrechnung: Miete vs. Realität

Schauen wir uns ein realistisches Szenario an. Du möchtest für 6 Monate ein solides Mittelklasse-Ergometer nutzen.
| Kostenpunkt | Typisches Miet-Angebot | Kosten |
|---|---|---|
| Monatsrate | 6 Monate Laufzeit (ca. 50 €/Monat) | 300,00 € |
| Lieferung | Spedition hin | 49,90 € |
| Abholung | Spedition zurück | 49,90 € |
| Servicegebühr | Einmalig | 19,90 € |
| GESAMTKOSTEN | Geld ist weg | 419,70 € |
Das Ergebnis: Du hast über 400 Euro ausgegeben. Nach 6 Monaten wird das Gerät abgeholt und du hast: Nichts.
Für 400 Euro hättest du dir bereits ein nagelneues, sehr gutes Einsteiger-Ergometer (z.B. von Hammer, Sportstech oder ein besseres Christopeit-Modell) kaufen können, das dir gehört.
Ergometer über die Krankenkasse leihen: Wann zahlt die Kasse?
Wenn die Kosten privat so hoch sind, dann soll doch bitte die Versicherung zahlen. Schließlich hat der Arzt gesagt, du sollst Radfahren. Kann man also ein Ergometer über die Krankenkasse leihen?
Hier müssen wir einen der hartnäckigsten Irrtümer im deutschen Gesundheitssystem aufklären. Die kurze Antwort lautet für 95 % aller Patienten: Nein.
Heilmittel vs. Hilfsmittel
Die Krankenkassen unterscheiden strikt:
- Heilmittel: Das ist die Dienstleistung, z.B. Physiotherapie. Der Arzt verschreibt dir „Krankengymnastik am Gerät“. Das zahlt die Kasse, aber du musst es in der Praxis unter Aufsicht machen.
- Hilfsmittel: Das sind Gegenstände, die eine Behinderung ausgleichen.

Warum die Kasse dein Ergometer nicht zahlt
Ein Ergometer gilt als „Sportgerät“ oder „Fitnessgerät“, nicht als medizinisches Hilfsmittel. Die Argumentation der Kassen ist simpel: Radfahren dient der allgemeinen Fitness und Vorbeugung. Das ist Privatsache. Auch nach einer Knie-OP (TEP) oder Kreuzband-OP bekommst du zwar Reha und Physio bezahlt, aber kein Gerät für das Wohnzimmer.

Die einzige Ausnahme: Der Bewegungstrainer (Motomed)
Es gibt eine Ausnahme, die oft verwechselt wird. Bei schweren neurologischen Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Querschnittslähmung, Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen) zahlen Kassen sogenannte Bewegungstrainer.
- Das sind motorbetriebene Geräte, die die Beine des Patienten passiv bewegen (wie ein Motor).
- Diese Geräte kosten mehrere Tausend Euro und werden tatsächlich leihweise von der Kasse gestellt (bzw. über Sanitätshäuser abgerechnet).
- Das hat aber nichts mit dem klassischen „Strampeln“ auf einem Fitness-Ergometer zu tun.
Fazit: Wenn du „nur“ dein Knie trainieren oder abnehmen willst, gibt es kein Rezept für ein Leihgerät. Du bist Selbstzahler.
Der große Vergleich: Mieten vs. Kaufen & Wiederverkauf
Wir haben oben gesehen, dass 6 Monate Miete ca. 420 € kosten. Viele Argumentieren jetzt: „Ja, aber wenn ich kaufe, steht das Ding danach im Weg rum.“
Das stimmt – aber du kannst es verkaufen. Und genau hier liegt der gewaltige finanzielle Vorteil des Kaufs. Marken-Fitnessgeräte (Kettler, Hammer, Cardiostrong) sind extrem wertstabil.

Szenario: Kauf und Wiederverkauf (Das „Smart-Shopper“-Modell)
Du kaufst dir ein solides Ergometer für 450 Euro neu (oder sogar ein hochwertiges Gebrauchtes). Du nutzt es 6 Monate intensiv für deine Reha. Danach bist du fit und brauchst es nicht mehr. Du stellst es bei Kleinanzeigen ein.
- Ein 6 Monate altes Gerät mit Restgarantie bringt locker noch 50–60 % des Neupreises.
- Verkaufspreis: ca. 250 €.
Die effektive Rechnung:
- Kaufpreis: 450 €
- Erlös Verkauf: – 250 €
- Effektive Kosten für 6 Monate: 200 €
Vergleich:
- Effektive Kosten Miete: 420 €
- Effektive Kosten Kauf & Verkauf: 200 €
Ersparnis durch Kauf: 220 Euro.
Selbst wenn du das Gerät am Ende verschenken würdest, wärst du kaum teurer dran als bei der Miete. Aber du hast die Freiheit, es jederzeit zu behalten, falls du doch Gefallen am Sport findest.

Die Nachteile von Mietgeräten (neben dem Preis)
Geld ist nicht alles. Es gibt auch praktische Gründe, warum das Mieten oft nervenaufreibend ist. Wenn du einen Heimtrainer mieten willst, solltest du diese Punkte bedenken:

Nachteil 1Der "Karton-Tetris"-Stress
Mietgeräte werden per Spedition geliefert. Damit du sie am Ende zurückschicken kannst, musst du die Originalverpackung aufbewahren.
- Hast du Platz, um einen riesigen Karton (oft 1,20m x 0,80m x 0,40m) samt Styropor sechs Monate lang in deiner Wohnung zu lagern? In den meisten Mietwohnungen ist das ein echtes Problem. Wirfst du den Karton weg, berechnen Anbieter oft pauschal 50–80 € für Ersatzverpackung.

Nachteil 2Hygiene & Zustand (Refurbished)
Du bekommst selten ein fabrikneues Gerät. Meist sind es Rückläufer. Seriöse Anbieter desinfizieren und warten diese zwar (Refurbished), aber das Gefühl bleibt: Jemand anderes hat auf diesem Sattel geschwitzt.
- Gebrauchsspuren wie Kratzer am Gehäuse oder ein leicht abgenutztes Lenkerband sind bei Mietgeräten normal und müssen akzeptiert werden.
Nachteil 3Verfügbarkeit im Winter
- Gerade dann, wenn du das Gerät brauchst – im Januar oder November – sind die Lager der Verleiher oft leergefegt. Du musst dann nehmen, was übrig ist (oft die teuren High-End-Modelle), oder warten. Wer überlegt, ein Profi-Gerät zu mieten, sollte zum Vergleich die Preise für High-End Ergometer bis 1000 Euro prüfen.
Nachteil 4Haftung bei Schäden
- Was passiert, wenn dir eine Hantel auf das Display fällt oder deine Katze den Sattel zerkratzt? Bei einem eigenen Gerät ist das ärgerlich, aber deine Sache. Beim Mietgerät wird es teuer. Du haftest für Schäden, die über normale Abnutzung hinausgehen. Oft wird dir beim Checkout noch eine „Geräteversicherung“ für 5–10 € monatlich angeboten – noch ein Kostentreiber.
Wann lohnt sich Mieten bei einem Heimtrainer ausnahmsweise doch?
Wir wollen fair bleiben. Es gibt Situationen, in denen das Mieten trotz der Kosten Sinn ergibt. Wir raten zur Miete, wenn eines der folgenden Szenarien auf dich zutrifft:
- Der High-End-Test:
Du liebäugelst mit einem absoluten Premium-Gerät wie einem Concept2 BikeErg oder einem Peloton, die weit über 1.500 € oder 2.000 € kosten. Bevor du eine so gewaltige Investition tätigst, ist es klug, das Gerät für einen Monat zu mieten und zu testen: Passt die Sitzposition? Nutze ich es wirklich? Hier ist die Miete eine „Versicherung gegen Fehlkauf“. Viele Nutzer suchen heute gezielt nach günstigeren Peloton-Bike Alternativen mit App-Anbindung, statt zu mieten
- Berufliche Nomaden:
Du bist Projektmanager und nur für 8 Wochen in einer fremden Stadt in einer möblierten Wohnung. Kaufen und Verkaufen wäre hier logistisch zu aufwendig.
- Extrem kurze Zeiträume:
Du brauchst das Gerät wirklich nur für 4 Wochen, um eine Quarantäne oder eine sehr kurze Reha-Phase zu überbrücken, und hast keinen Platz zur Lagerung.
Für den klassischen „Otto-Normal-Verbraucher“ oder den typischen Reha-Patienten (3–6 Monate) ist der Kauf jedoch fast immer überlegen.

Häufige Fragen (FAQ) zur Ergometer-Miete
Kann ich den Mietkauf nutzen?
Viele Verleiher (wie Grover) bieten an, dass du das Gerät am Ende der Miete kaufen kannst („Rent-to-Own“). Die bereits gezahlten Mieten werden teilweise angerechnet.
Vorsicht: Der Basispreis, auf den angerechnet wird, ist oft die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers. Im freien Handel kostet das Gerät oft 30 % weniger. Am Ende zahlst du im Mietkauf oft deutlich mehr als bei einer 0%-Finanzierung im Elektromarkt.
Muss ich eine Kaution hinterlegen?
Bei den meisten Anbietern ja. Die Höhe variiert je nach Gerätewert zwischen 50 und 200 Euro. Das Geld bekommst du erst einige Wochen nach Rückgabe und Prüfung des Gerätes zurück. Plane dieses Budget also fest ein.
Wer haftet bei Kratzern im Parkett?
Die Spedition liefert meist nur „frei Bordsteinkante“. Das Reintragen und Aufstellen ist deine Sache. Wenn du dabei mit dem 40-Kilo-Paket im Treppenhaus aneckst oder dein Parkett zerkratzt, ist das dein Problem (bzw. ein Fall für deine Haftpflicht). Der Vermieter haftet nicht für Schäden in deiner Wohnung.
Ist ein gemietetes Ergometer steuerlich absetzbar?
Nur, wenn du es medizinisch zwingend benötigst (Attest) und die Kasse nicht zahlt, könnte es als außergewöhnliche Belastung gelten (sehr hohe Hürden!). Oder wenn du Profisportler/Trainer bist. Für den normalen Privatnutzer: Nein.
Unsere Meinung zum Mieten eines Ergometers
Service, keine Sparmaßnahme. Du erkaufst dir Flexibilität mit einem sehr hohen Aufpreis.
Für die klassische Reha-Zeit oder den Winter-Sport zu Hause ist die Rechnung eindeutig: Die hohen Nebenkosten für Versand und Grundgebühren fressen jeden Vorteil auf.

Unsere Empfehlung:
Anstatt 400 € für 6 Monate Miete „zu verbrennen“, investiere das gleiche Geld lieber in ein solides Einsteiger-Gerät (z.B. von Lidl/Christopeit oder Decathlon) oder kaufe dir ein gebrauchtes Marken-Ergometer auf Kleinanzeigen.
- Gehört das Gerät dir, hast du keinen Zeitdruck.
- Du kannst es nach der Nutzung wieder verkaufen und bekommst Geld zurück.
- Du musst keinen riesigen Karton in deiner Wohnung lagern.
Mieten lohnt sich nur für High-End-Tests oder digitale Nomaden. Für alle anderen gilt: Kaufen ist das neue Mieten.





